Wolfgang Dürheimer war vor seiner Zeit bei Audi Chef von Bentley und Bugatti.

„Effizienz steht ganz oben auf meiner Agenda“

Artikel von

Seit 1. September 2012 hat Audi mit Wolfgang Dürheimer einen neuen Vorstand für technische Entwicklung. Der 54-Jährige hat sich viel vorgenommen: Veränderungen beim Design der Modelle, sparsamere Antriebe und Erfolge im Motorsport.

Unser Redakteur Alexander Schnell hat sich am Rande der Detroit Motor Show (noch bis 27. Januar) mit Dürheimer unterhalten.


Herr Dürheimer, wie haben Sie die ersten vier Monate bei Audi erlebt?
Wolfgang Dürheimer: Die Audi-Mitarbeiter in Ingolstadt und in Neckarsulm haben mich sehr offen und entgegenkommend aufgenommen. Als gebürtiger Allgäuer, der früher bei BMW und Porsche tätig war, liegt mir sowohl die bayerische als auch die schwäbische Mentalität. Und als Entwicklungschef schätze ich natürlich die Tüftlernatur der Kollegen in Neckarsulm.


In welchen Bereichen ist Audi aus Ihrer Sicht führend im Konkurrenzvergleich?
Dürheimer: Audi ist ganz vorne in der Allradtechnik. Audi ist quattro und quattro ist genial. Auch bei der in Neckarsulm angesiedelten Leichtbaukompetenz liegen wir ganz vorne und haben einen sehr hohen Erfahrungsschatz. Bei direkteinspritzenden Motoren, seien es Benziner oder Diesel, überzeugt Audi durch hohe Performance und niedrige Verbräuche. Definitiv führen wir beim Design, in der Qualität und der Wertigkeit im Fahrzeug-Innenraum.


In Sachen Design mehren sich aber die Stimmen, die die Optik der Modelle als zu gleichförmig empfinden.
Dürheimer: Der erneute Absatzrekord von 1,455 Millionen Fahrzeugen im vergangenen Jahr spricht für sich. Unsere Autos kommen weltweit hervorragend an. Und nach wie vor steht das Design an erster Stelle auf der Liste der kaufentscheidenden Kriterien. Allerdings ist Kritik hier und da unüberhörbar, und wir nehmen grundsätzlich die Meinung unserer Kunden sehr ernst. Wir arbeiten deswegen daran, unsere Modellreihen stärker voneinander zu differenzieren, als das heute der Fall ist. Ein A8-Kunde wird in Zukunft Details an seinem Auto finden, die es klar von einem A6 und einem A4 unterscheiden. Bei der nächsten Generation des A4 wird sichtbar werden, wo die Reise hingeht.


Welche Modelle fehlen Ihnen in der Produktpalette?
Dürheimer: Ideen haben wir viele, vom vollwertigen Viersitzer mit Einliter-Verbrauch bis zum Le Mans Supersportwagen für die Straße. Das sind mehr Projekte, als kurzfristig umsetzbar sind. Deswegen unterziehen wir die neuen Ideen einer vergleichenden Bewertung, um zu entscheiden, was zuerst entwickelt wird. Wichtig ist, dass wir mit jedem neuen Modell Geld verdienen.


Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA 2011 in Frankfurt hat Audi die Studie A2 Concept gezeigt als möglichen Nachfolger des A2, der einst in Neckarsulm gebaut wurde. Seither ist es ruhig um das Auto geworden. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Dürheimer: Audi hat mit der Studie die Möglichkeiten der intelligenten Leichtbautechnologie gezeigt. Den richtigen Materialmix aus Karbon, Aluminiumlegierungen und unterschiedlichen Stählen. Das ist ein Ansatz, den wir für künftige Modelle konsequent weiterverfolgen. Stand heute ist ein Nachfolger für den A2 nicht beschlossen. Aber auf dem Weg zu den mehr als zwei Millionen Autos, die wir 2020 verkaufen wollen, werden wir noch das eine oder andere Modell auf die Straße bringen. Alles zu seiner Zeit.


Zum Jahreswechsel sollte das Elektroauto R8 e-tron auf den Markt kommen. Kurz vorher haben Sie bei dem Projekt den Stecker gezogen. Wie geht es jetzt weiter?
Dürheimer: Wir haben in unserer Manufaktur in Heilbronn-Biberach zehn R8 e-tron als Technikträger produziert. Die Technologie ist fertig entwickelt und kann in Serie gehen. Unsere Marktforschungen haben aber ergeben, dass sich mit dem Projekt zu den jetzigen Rahmenbedingungen kein Geld verdienen lässt. Daher kommt das Auto derzeit nicht in den Handel. Den Technologiegewinn nutzen wir aber für künftige Modelle wie für den A3 e-tron. Dieses Plug-in-Hybridmodell mit einer Reichweite von gut 600 Kilometern wird etwa zur Jahreswende auf den Markt kommen.


Tut Audi schon genug, um die Emissionen seiner Fahrzeuge zu senken?
Dürheimer: Wir stehen im Wettbewerbsvergleich sehr gut da. Laut einer Studie des Center of Automotive Management ist Audi die Marke mit der besten CO2-Bilanz unter den Premiummarken in Deutschland. Darauf sind wir stolz. Dennoch steht das Thema Effizienz ganz oben auf meiner Agenda. Wir werden die Entwicklungstätigkeit hier noch weiter intensivieren sowohl bei Diesel- und Benzinmotoren als auch bei verschiedenen alternativen Antrieben.


Viele Hersteller setzen auf kleinere Motoren. Können Sie sich bei Audi einen Dreizylinder vorstellen?
Dürheimer: Bei unserem Ausblick in die Zukunft, dem „future lab mobility“, im vergangenen Herbst konnten Journalisten bereits Plug-in-Hybrid-Konzeptfahrzeuge mit einem Dreizylindermotor fahren. Sie sehen, wir denken intensiv über das Thema nach. Vorsprung durch Technik fängt nicht erst bei vier Zylindern an.


Seit kurzem gehört auch die Motorradmarke Ducati zu Audi. Wie können die beiden Marken voneinander profitieren?
Dürheimer: Da gibt es sehr viel Potenzial. Ducati kann von Audi zum Beispiel vom Know-how bei elektronischen Systemen profitieren. Andersherum beherrscht Ducati die Kunst perfekt, sichtbare Motor- und Fahrwerksbauteile durch hochwertigste Oberflächen erlebbar zu machen. Um nur zwei Beispiele für einen Technologietransfer zu nennen.


2014 treten Audi und Porsche bei den 24 Stunden von Le Mans gegeneinander an. Ist es sinnvoll, zwei Konzernmarken aufeinander loszulassen?
Dürheimer: Konkurrenz im Motorsport spornt zu Höchstleistungen an. Im VW-Konzern ist Wettbewerb ausdrücklich erwünscht. Im Handel stehen ein Audi A3 und ein Volkswagen Golf oder ein Audi R8 und ein Porsche 911 auch in Konkurrenz zueinander. Warum sollte das auf der Rennstrecke nicht so sein? Le Mans 2014 wird hochspannend und für die Zuschauer sicher ein interessantes Rennen. Ich sehe das ganz sportlich: Der Bessere wird gewinnen.