Von außen wirkt die starke E-Klasse fast schon unscheinbar – sie trägt den Pelz eben nach innen. Fotos: Mercedes

Der füllt die Lücke

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MERCEDES-AMG Unterwegs im E 43 mit Sechszylinder-Biturbo-Motor

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke


Der stärkste Nicht-AMG leistet in der E-Klasse 333 PS. Die Topmodelle im Mercedes-AMG E 63 kommen hingegen auf 571 und 612 PS. Eine immense Leistungslücke, die der Autobauer mit dem „Einstiegs-AMG“ E 43 geschlossen hat. Dessen Sechszylinder-Benziner holt aus drei Litern Hubraum und dank Biturbo-Unterstützung satte 401 PS und 520 Newtonmeter Drehmoment. Damit lassen sich die mehr als 1,8 Tonnen Gewicht des Viertürers standesgemäß in Schwung bringen. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 ist in 4,6 Sekunden erledigt, 0,6 Sekunden schneller als beim E 400. In Sachen Höchstgeschwindigkeit herrscht hingegen Gleichstand – bei Tempo 250 sind beide abgeregelt. Beim Verbrauch wiederum zieht der E 43 den Kürzeren – mit 8,2 Litern laut Norm (CO2-Emission: 187 Gramm pro Kilometer) gönnt er sich rund einen halben Liter mehr pro 100 Kilometer als der E 400.


Understatement

Das Leistungsplus lässt sich Mercedes ordentlich entlohnen – mit einem Grundpreis von 75 386,50 Euro ist der E 43 mehr als 12 000 Euro teurer als ein E 400. Dafür rollt der 4,94 Meter lange 43er aber auch im feinen Zwirn vor. Frontschürze, Seitenschweller und Heckpartie mit Diffusoroptik verleihen der Business-Class von Mercedes einen Hauch von Sportlichkeit. Ebenfalls ab Werk an Bord sind 19 Zoll große Räder, Biturbo- und AMG-Schriftzüge, ein kleiner Heckspoiler und markante Endrohrblenden. Alles in allem hat es Mercedes geschafft, dem Wagen einen stimmigen, unaufdringlichen Look mit auf den Weg zu geben. Der E 43 ist keine protzige Angeberkarre, sondern Understatement pur.


Sitze mit Logo

Dieses Konzept setzt sich auch im Innenraum fort. Pedale und Einstiegsleisten sind aus Edelstahl, Kontrastnähte und Sicherheitsgurte in rot gehalten, der Dachhimmel hingegen ist schwarz. Zierelemente in Alu und Chrom fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Ein Highlight sind die eigenständig gestalteten, stark konturierten Sportsitze mit AMG-Logo. Verbesserungsbedarf gibt es hingegen beim unten abgeflachten Multifunktionslenkrad, das sich zwar elektrisch verstellen, aber für große Fahrer nicht weit genug herausfahren lässt. Ansonsten gibt es wenig zu mäkeln im bestens verarbeiteten und sehr geräumigen Interieur.
Ums Sortieren der Gänge kümmert sich im E 43 eine Neungang-Automatik mit verkürzten Schaltzeiten und Wählhebel am Lenkrad, die je nach Fahrmodus komfortabel oder mit sportlichem Rucken zu Werke geht. Dank präziser Parameterlenkung, Sportfahrwerk und hecklastig ausgelegtem Allradantrieb steht auch einer dynamischen Fortbewegung nichts im Wege. Und für die zuverlässige Vernichtung überschüssiger Antriebsenergie hat Mercedes eine Bremsanlage mit größeren Scheiben verbaut. Sie vermittelt zu jeder Zeit ein Gefühl von Sicherheit.


Wohlfühlen

Übrigens wird der Schwaben-Express selbst mit den optionalen 20-Zöllern des Autostimme-Testwagens niemals unkomfortabel hart. Und auch bei der Geräuschdämmung haben die Mercedes-Ingenieure ganze Arbeit geleistet – wohlfühlen statt Krawall lautet hier die Devise.
Wer die Preisliste der E-Klasse ausdrucken will, dem werden am Rechner 96 Seiten angezeigt. Allein das verdeutlicht, dass in Sachen Komfort und Technik nahezu alles zu haben ist, was geht. Hervorzuheben wäre zum einen das Fahrassistenz-Paket Plus, das für knapp 3000 Euro extra alle relevanten elektronischen Helfer beinhaltet. Zum anderen das onlinefähige Infotainmentsystem, dessen riesiges, 12,3 Zoll großes Display ein echter Blickfang ist. Wer zudem noch das Widescreen-Cockpit dazu bestellt, erhält einen weiteren, ebenfalls 12,3 Zoll großen Bildschirm – das hat dann schon fast Cinemascope-Format.