Der neue Range Rover Velar ist ein eleganter Allradler mit feinem Interieur und gepflegtem Fahrgefühl. Fotos: Land Rover

Die Rolex unter den Geländewagen

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RANGE ROVER VELAR Unterwegs im eleganten Allradler – Feines Interieur, feines Fahrgefühl

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke

Manchmal fällt es schwer, die gebotene journalistische Distanz aufrecht zu erhalten. Andererseits ist es auch schön, dass man selbst nach jahrelanger Arbeit in diesem Bereich noch so etwas wie Herzklopfen hat, wenn ein neuer Testwagen auf den Hof rollt. Beim Range Rover Velar stellte sich dieses Gefühl, eine Mischung aus Gänsehaut-Kribbeln und ungeduldigem Erkundungsdrang, umgehend ein. Denn an dem 4,80 Meter langen Fünftürer, der laut Hersteller die Lücke zwischen dem Range Rover Evoque und dem Range Rover Sport schließen soll, ist einiges anders als bei anderen.

Versenkbare Türgriffe
Das fängt beim Außendesign an. Die Frontpartie mit üppigem Kühlergrill, flachen Scheinwerfern und großem Lufteinlass sorgt für Überholprestige. Okay, das kennt man auch von Wettbewerbern. Doch statt auffälliger Kanten gibt es beim Velar in der Seitenansicht große, klare Flächen mit versenkbaren Türgriffen, die beim Druck auf den Fahrzeugschlüssel aus ihrer Position herausfahren, so dass man nicht umständlich am Griff herumfummeln muss. Absoluter Blickfang ist das abgerundete Heck mit ansteigender Linienführung. Und mit einer Dachfarbe in Kontrastlack wird der optische Auftritt trendbewusst vervollständigt.

Massagesitze
Also nichts wie ran an den Allradler, Tür geöffnet und ein- beziehungsweise hochgestiegen. Ja, die Sitzposition ist erhaben, geradezu fürstlich. Die perforierten Ledersitze mit Massagefunktion lassen sich vollelektrisch einstellen, sogar die Kopfstütze fährt per Knopfdruck nach oben. Elektrisch einstell- und beheizbar ist das Multifunktionslenkrad, dessen Kranz durch eine Designkante geteilt wird. Sieht super aus, greift sich anfangs aber ungewohnt.
Startknopf gedrückt, und schon erwacht die Multimedia-Landschaft im Velar zum Leben. Sage und schreibe drei riesige Displays versorgen den Fahrer mit Informationen. Tacho und Drehzahlmesser sind voll animiert, dazwischen lässt sich zum Beispiel die gestochen scharfe Navigationskarte anzeigen. Auf dem Armaturenträger wiederum thront ein weiterer Monitor, der nach dem Starten erst einmal gediegen aus seiner Ruhestellung fährt. Über ihn lassen sich zum Beispiel Musik, Telefon und Navigation steuern. Und direkt darunter befindet sich ein Bildschirm, der unter anderem zur Steuerung von Sitzheizung und Klimatisierung dient. Dabei werden die zu beheizenden Sitzflächen und die benötigten Luftströme optisch auf dem Display dargestellt und können vom Fahrer per Druck einzeln aktiviert werden.

Jacht-Feeling
Wer Autos noch aus den 90ern kennt und seitdem kein neues Fahrzeug mehr sein Eigen nennen konnte, dürfte mit der Bedienung des Range Rover Velar im ersten Moment überfordert sein. Denn das ist fast wie ein Tablet auf Rädern. Und dann dieses Ambiente – luxuriöses Jacht-Feeling trifft auf hippe iPhone-Moderne.
Land Rover ist es mit dem Range Rover Velar gelungen, den klassischen Stil der Marke in die Neuzeit zu transferieren. Dazu eine Qualität, die begeistert: Feine Oberflächen, wohin man greift. Massiv wirkende Dekore. Licht ohne Ende dank des Mega-Panoramadachs (mit elektrischer Jalousie). Und eine Top-Soundanlage von Meridian mit 23 Lautsprechern, Wifi-Hotspot an Bord, Achtgang-Automatik mit rundem Wählhebel, elektrische Heckklappe und bis zu 22 Zoll (!) große Räder.
Unter der Haube des Autostimme-Testwagens: ein drei Liter großer V6 Twinturbo-Diesel, der mit seinen 300 PS und 700 Newtonmetern Drehmoment perfekt zum Schwergewicht (1,8 bis knapp zwei Tonnen) passt und ihm zu einer unerwarteten Leichtigkeit verhilft. Dass der Normverbrauch von 6,4 Litern (CO2-Emission: 167 g/km) nicht zu schaffen ist, überrascht nicht. Mit rund neun Litern (238 g/km) lässt es sich aber dennoch leben. Alternativ bieten die Briten auch noch kleinere Diesel mit 180 und 240 PS sowie Benziner mit 250, 300 und 380 PS an. Im Basismodell starten die Preise bei 56 400 Euro, der von uns gefahrene Velar R-Dynamic HSE mit V6-Diesel kostet 90 150 Euro – ohne Extras.
Unterwegs gleitet der Velar dank Luftfederung, fein abgestimmtem Fahrwerk und perfekter Geräuschdämmung einschmeichelnd über den Asphalt. Doch natürlich ist er dank jeder Menge elektronischer Helfer auch voll geländegängig. Aber jetzt mal im Ernst: Wer fährt mit so einem Auto über Stock und Stein? Das wäre ja so, als würde man zur Gartenarbeit einen Anzug samt Rolex tragen.