Ein kurzer Blick verrät: Ja, es ist unverkennbar ein Duster. Dennoch zahlen sich die Detailarbeiten am Design aus, der Geländewagen wirkt nun präsenter. Fotos: Dacia

Dieser Wagen ist eine kleine Revolution

Artikel von

Rumänen haben zweite Generation des Duster auf den Markt gebracht – Günstiger Einstiegspreis, deutlich mehr Ausstattung verfügbar  

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke


DACIA Es gibt einige Dinge, die haben sich kaum verändert. Die Abmessungen zum Beispiel, denn die zweite Generation des Dacia Duster bleibt mit 4,34 Metern Außenlänge (plus zwei Zentimeter) weiterhin kompakt. Auch das Design wurde von der rumänischen Renault-Tochter nur behutsam modifiziert. Der fünftürige Geländewagen ist sofort als Duster zu erkennen, wirkt aber trotzdem wuchtiger als bisher. Breiterer Frontgrill, flachere Scheinwerfer, markantere Motorhaube, größere Räder (bis 17 Zoll), rechteckige Heckleuchten, mächtiger Unterfahrschutz – die Arbeit im Detail zahlt sich aus.
Typisch Dacia ist auch der Einstiegspreis, er liegt bei günstigen 11 290 Euro. Ein voll ausgestatteter Wagen kostet jedoch knapp das Doppelte. Apropos Ausstattung: Hier hat der Autobauer mächtig draufgesattelt. Und nicht nur dort.

Neuheiten satt
Ab sofort sind für den wahlweise mit Front- oder Allradantrieb verfügbaren Duster Features zu haben, die Kunden bei diesem Modell – und bei Dacia allgemein – noch nicht bestellen konnten. Neben einer Klimaautomatik mit solide gemachten Drehreglern und weißem Display gehört auch ein schlüsselloses Zugangssystem samt Startknopf dazu.
Ein LED-Tagfahrlicht mit prägnanter Signatur gab es bisher ebenfalls nicht. Und mit der Einführung des Totwinkel-Warners halten nun auch elektronische Assistenzsysteme beim Günstig-Geländewagen Einzug. Deutlich optimiert wurde die Position des (laufwerklosen) Navigationssystems, dessen Sieben-Zoll-Display knapp sieben Zentimeter weiter hochgerückt ist.
Je nach Variante schauen Kameras nach vorn, hinten und zur Seite. Und das neue Vierspeichen-Lenkrad lässt sich jetzt (endlich) auch in der Tiefe verstellen, was vor allem große Fahrer freuen dürfte. Für Offroad-Freunde interessant: Eine Bergabfahrhilfe sorgt ohne Zutun des Fahrers für konstante Geschwindigkeit bei steilen Abfahrten. Und über den sogenannten 4x4-Monitor lassen sich unter anderem Seitenneigung und Kompass anzeigen.

Viel bessere Sitze
Bei ersten Testfahrten mit dem in Rumänien vom Band laufenden Erfolgsmodell – seit 2010 wurden weltweit mehr als zwei Millionen Einheiten verkauft – fiel neben der ganzen Technik- und Komfortausstattung vor allem das neue Dacia-Wohlgefühl auf, das sich jetzt im Fünfsitzer einstellt. Nichts knarzt, nichts knistert, selbst jenseits asphaltierter Straßen. Dickere Scheiben, dickere Wände und mehr Dämm-Material sorgen für ein deutlich angenehmeres Geräuschniveau im Innenraum.
Ein leicht dem Fahrer zugewandter, schnörkellos gemachter Armaturenträger ersetzt die hausbackene, etwas ungeordnet daherkommende Variante des Vorgängers. Pluspunkte sammelt der Duster zudem mit den besser gepolsterten und stärker konturierten Sitzen, deren Po- und Oberschenkelauflage um zwei Zentimeter verlängert wurde. Weiße Kontrastnähte und ein Duster-Schriftzug werten das Gestühl optisch auf, für überschaubare 500 Euro extra kann man die Sessel sogar mit Leder beziehen lassen, weitere 150 Euro werden für eine (bei Leder eigentlich unverzichtbare) Sitzheizung fällig.

Auch mit Automatik
Bei den Motoren bietet Dacia erwartungsgemäß Hausmannskost. Ein Sauger mit 114 PS (Verbrauch: 6,6 bis 7,0 Liter, CO2-Ausstoß: 149 bis 158 g/km), der auch in einer bivalenten Autogas-Variante mit zwei Tanks angeboten wird, sowie ein 1,2-Liter-Turbotriebwerk mit 125 PS (6,2 bis 6,4, 138 bis 145 g/km) stellen die Benziner-Fraktion. Darüber hinaus wird ein 1,5-Liter-Diesel mit wahlweise 90 oder 109 PS angeboten (4,4 bis 4,7 Liter, 115 bis 123 g/km). Der stärkere Selbstzünder lässt sich zudem – erstmals bei Dacia – mit einem Doppelkupplungsgetriebe (heißt bei Dacia EDC) kombinieren.
Und diese Variante hat bei den Testfahrten der Autostimme einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Das nahezu unmerklich schaltende automatische Getriebe harmoniert prima mit dem drehmomentstarken Diesel (260 Nm) – und der Bordcomputer vermeldete nach zügiger Fahrt respektable 5,3 Liter als Durchschnittsverbrauch. Einziger Wermutstropfen: Die EDC-Version ist nur mit Frontantrieb zu haben, und das wird laut Hersteller auch auf absehbare Zeit so bleiben. Was letztlich nichts daran ändert, dass dieser Duster für die Marke mehr Revolution statt Evolution ist.