Citroën hat den Cactus frisch aufgelegt – und dabei konzeptionell neu aufgestellt. Fotos: Citroën

Komfort jetzt im Mittelpunkt

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CITROËN Franzosen überarbeiten nach nur drei Jahren den originellen C4 Cactus, bauen ihn zum C4-Nachfolger um und ändern damit das ursprüngliche Konzept

Von Bernd-Wilfried Kießler

Wenn ein Auto nach nur drei Jahren Bauzeit nicht nur modellgepflegt, sondern innen und außen ganz anders gestaltet wird, dann bedeutet das nichts anderes, als dass es sich beim Vorgänger nur bedingt um einen Erfolg handelt. Das haben sie in der Pariser Citroën-Zentrale offenbar schon ein Jahr später gemerkt, nachdem der C4 Cactus im Herbst 2014 auf den Markt gekommen war. Denn bereits damals müssen sie mit den Vorarbeiten für das neue Modell begonnen haben, das jetzt auf dem deutschen Markt angeboten wird.
 
Drastisch
Die Kehrtwende ist drastisch: Von einer konstruktiven Kreuzung verschiedener Arten von Auto, die alternative Einflüsse mit sichtbar gemachtem Abenteuergeist mischte – unter anderem stoßdämmende Luftkammern an den Flanken und eine durchgehende Bank vorn, jedenfalls in der Automatikversion – wird der Cactus jetzt „als Kompaktlimousine mit höchstem Komfort“ eingeordnet, wie Citroën-Chefin Linda Jackson bei der Vorstellung des 4,15 Meter langen Autos erklärte.
Äußerlich ist alles geglättet, zeigt die zweite Auflage das aktuelle Citroën-Gesicht: auf der Motorhaube in weitem Bogen nach außen schwingende Verlängerungen des Doppelwinkels, darunter zwei Lufteinlässe. Der untere flachere wird von den Nebelscheinwerfern eingerahmt, die wiederum ein kontrastreicher Hintergrund auffällig ins Blickfeld rückt. Ganz verschämt und klein sind die seitlichen Luftkammern („Airbumps“) nach unten gerutscht, bisher bemerkenswertes Kennzeichen des Cactus. Citroën gibt an, dass 90 Prozent der Außenhaut neu geformt worden sind; geblieben sind die breiten hinteren Dachsäulen und die Verbindung zwischen ihnen.

358 Liter
Am Heck hat man leider die Gelegenheit der Neugestaltung nicht genutzt, die 76 Zentimeter hohe Ladekante des Originals abzusenken. Das wäre nur mit teuren konstruktiven Maßnahmen möglich gewesen. Der Kofferraum fasst jetzt 358 Liter und damit zehn mehr als bisher. Soll er durch Umklappen der hinteren Lehnen vergrößert werden, entsteht eine Stufe. Wie bisher steigen die Fondpassagiere zwar durch eigene Türen ein, können ihre Luftzufuhr aber nur über Ausstellfenster regeln. Das bringt laut Hersteller eine Gewichtsersparnis von elf Kilogramm. Wer die mittlere Kopfstütze im Fond nach oben verlängern will, hält sie in der Hand. Sie bietet nur Kindern Schutz.
Im Innern sind sie bei Citroën ganz stolz auf die neuen Sitze, die den Komfort von hochwertigen Matratzen vermitteln sollen. Damit das spürbar wird, muss die werte Kundschaft freilich erst einmal verlockt werden, in dem Auto Platz zu nehmen. In der Tat sitzt man auf dem Gestühl weder zu weich noch zu hart. Auch Fahrkomfort steht jetzt ganz oben auf der Citroën-Liste – beim Fahrwerk in Form von eigens erdachten und patentierten Hydraulikelementen der Stoßdämpfer. Der Frage, ob sie auf der Straße wirklich an die legendäre Hydropneumatik erinnern können, mit der sich die Marke mit dem Doppelwinkel einst einen Namen gemacht hatte, galt die gezielte Aufmerksamkeit auf ersten Testfahrten: Ja, die Abstimmung ist ordentlich, federt allerlei Unebenheiten gut ab, schlägt auch auf rauerem Untergrund nicht durch.

Triebwerke
Motorisiert wird der Cactus der zweiten Generation in Deutschland wahlweise mit zwei 1,2 Liter großen Dreizylinder-Benzinmotoren, die 81 kW/110 PS und 96 kW/130 PS leisten. Dazu kommt ein 1,6-Liter-Dieseltriebwerk mit 73 kW/100 PS, von dem auch eine Ausführung mit 88 kW/120 PS existiert.
Wer gern ohne Gangwechsel von Hand fährt, wird den schwächeren Benziner nehmen. Denn nur er ist wahlweise mit der Sechsstufen-Automatik zu haben, die Citroën wie der gesamte PSA-Konzern vom japanischen Spezialisten Aisin bezieht. Das Auto wird darüber hinaus mit zahlreichen elektronischen Fahrhelfern angeboten, etwa einem Geschwindigkeitsbegrenzer, der durch Wahrnehmung von Verkehrsschildern gesteuert wird. Ein Parkassistent kann den französischen Cactus längs der Fahrbahn oder quer im rechten Winkel in eine Lücke lotsen.