Der neue Audi A8 vor der imposanten Kulisse des Klosters Schöntal. Die Limousine bietet Fahrkomfort und Dynamik. Fotos: Audi

Mal rasant, mal gemächlich den Neuen erleben

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AUDI Exklusiv: Erste Testfahrt mit dem A8 aus Neckarsulm quer durch die Region – Innovatives Bedienkonzept, erstmals Hinterachslenkung  

Von unserem Redakteur
Alexander Schnell

Da steht er also, der neue Audi A8, direkt an seiner Geburtsstätte in Neckarsulm. In Navarrablau strahlt das Flaggschiff der Marke mit den vier Ringen an diesem schönen Herbsttag mit der Sonne vor dem Audi-Forum um die Wette. Okay – einen kleinen Schönheitsfehler entdeckt der Autor am Testwagen auf den ersten Blick: Das Ingolstädter Kennzeichen. Ein „HN“ hätten wir noch lieber gesehen. Dafür steht der A8 der Autostimme aber noch vor der offiziellen Fahrveranstaltung in Spanien exklusiv für einen ersten Test durch die Region zur Verfügung. Ab sofort ist die Luxuslimousine bestellbar – ab 90 600 Euro, die Version mit längerem Radstand kostet ab 94 100 Euro. Die ersten Fahrzeuge rollen Ende November zu den Kunden.
Ein erster Blick auf den 5,17 Meter langen Wagen offenbart die Unterschiede zum Vorgänger. Der neue A8 ist das erste Auto aus der Feder von Designchef Marc Lichte und seinem Team. Viele Elemente der Studie Prologue (2014) sind erhalten geblieben. Klar: In der Oberklasse muss man vorsichtig sein mit großen Experimenten, der große Schnitt folgt erst beim nächsten A7, der am 19. Oktober enthüllt wird. Der Singleframe-Kühlergrill als klassisches Element ziert auch die neue Generation des A8, allerdings baut er nicht mehr so hoch, ist nun sechseckig, geht deutlich in die Breite, dazu gibt es scharf geschnittene Scheinwerfer. Die Front ist ein echtes Statement, der Wagen steht satt auf der Straße. Dazu eine dynamische, keilförmige Seitenlinie, die mehr an ein Coupé als an eine Limousine erinnert, und ein straffes Heck mit fein gezeichneten, organischen LED-Leuchten. In der Seitenansicht fallen über allen vier Rädern muskulöse Formen auf. Damit will die Marke mit den vier Ringen den Allradantrieb quattro visualisieren.
Abfahrt am Audi-Forum, in Richtung Autobahn, A 81 nach Würzburg, nach ein paar Kilometern wird das Tempolimit aufgehoben. Kraftvoll schiebt der drei Liter große Sechszylinder mit seinen 340 PS und maximal 500 Newtonmetern Drehmoment an. Kaum schaut man wieder auf den Tacho, ist der Wagen schon 250 km/h schnell, die Elektronik regelt ab. An Bord hören die Passagiere fast nichts, die Dämmung ist exzellent. Flüsterleise spult der A8 Kilometer um Kilometer ab. Innen massiert der Sitz, wärmt oder kühlt auf Wunsch. Ein bisschen Wellness bis zur Ankunft am ersten Zwischenstopp.

Kilometer 54,2
Ankunft am Kloster Schöntal. Im Schritttempo geht es durch den Torbogen in den Innenhof bis zum Café. „Speciosa Vallis“ – schönes Tal, so nannten in der Mitte des 12. Jahrhunderts die Zisterziensermönche aus Maulbronn diesen idyllischen Ort an der Jagst. Der Blick wandert zur kunstvollen Barockkirche. Zeit für einen schnellen Espresso. Und Zeit, um den Innenraum des A8 mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Formal hat die Limousine um knapp vier Zentimeter auf 5,17 Meter zugelegt, Höhe (plus 1,3 Zentimeter) und Radstand (plus sechs Millimeter) sind ebenfalls leicht gewachsen. Das sorgt in Summe für etwas mehr Kopf- und Beinfreiheit, vor allem auf den Rücksitzen. In den Kofferraum passen 505 Liter.
Besonders innovativ ist Audis neues Bedienkonzept. Einen Dreh-Drück-Steller gibt es nicht mehr, Knöpfe und Schalter sucht man weitestgehend vergebens. Herzstück ist ein 10,1 Zoll großer Touchscreen, der nicht ausfährt oder irgendwo aufgesetzt ist, sondern mit dem Cockpit verschmilzt. Alles wirkt wie aus einem Guss. Darunter befindet sich ein weiteres Display, über das unter anderem die Steuerung der Klimaanlage möglich ist. Dort lassen sich mit dem Finger auch Navigationsziele eingeben.
Wischen, schieben und vieles mehr – alles funktioniert so vertraut wie auf dem Smartphone. Dazu das digitale Cockpit im Blickfeld des Fahrers – Audi 2.0 sozusagen. Die Verarbeitung ist wie gewohnt extrem hochwertig und aufwendig, die Qualität lässt sich an vielen Stellen erfühlen. Ob es die Nähte an den Ledersitzen sind oder die Hochtöner der Bang- und Olufsen-Anlage. Jede noch so kleine Fuge ist exakt geformt, alles wirkt edel und stimmig.
Weiter geht es über kurvige Landstraßen. Hier zeigt der A8 sein zweites Gesicht, denn er ist nicht nur extrem komfortabel, er lässt sich trotz seiner Ausmaße und mindestens zwei Tonnen Gewicht überraschend dynamisch bewegen. Zum ersten Mal kommt eine Hinterachslenkung zum Einsatz, die das stattliche Auto aus Neckarsulm eine Klasse schrumpfen lässt und den Wendekreis spürbar verringert. In der Stadt kann man damit deutlich besser rangieren, und auf der Landstraße fühlt sich der A8 so eher wie ein A4 als eine Luxuslimousine. Und falls der Fahrer mal unaufmerksam sein sollte, wachen elektronische Helfer über das Geschehen. Insgesamt sind für den A8 stolze 41 Assistenzsysteme verfügbar, darunter erstmals ein Kreuzungsassistent, der querende Fahrzeuge erkennt.
Das wichtigste System erhält aber erst 2018 eine Genehmigung vom Gesetzgeber: Auf Autobahnen und Bundesstraßen mit baulicher Trennung übernimmt der A8 auf Wunsch bis Tempo 60 im Stau die Steuerung des Wagens. Anfahren, beschleunigen, lenken und bremsen – der Fahrer nimmt die Hände vom Lenkrad und lässt den Wagen machen. Künftig kann der Fahrer auch aussteigen und seinen A8 via Smartphone selbstständig in eine Parklücke oder Garage steuern.

Kilometer 97,8.
Kurzer Stopp in Wüstenrot. In den Wäldern wachsen mehr als 100 Jahre alte Wellingtonien – Mammutbäume, deren Samen König Wilhelm 1865 in Amerika erworben hatte. Doch die Fahrt geht zügig weiter, Ort- und Landsschaften ziehen draußen vorbei, die Zeit vergeht wie im Flug.

Kilometer 138,5
Ankunft in Cleebronn, genauer gesagt im Erlebnispark Tripsdrill, der vor kurzem erst zum dritten Mal in Folge als „Europas Bester Themenpark“ ausgezeichnet wurde. Ausnahmsweise dürfen wir mit dem neuen A8 aufs Gelände fahren, das Ziel ist die spektakuläre Holzachterbahn „Mammut“. Die Züge sind als Sägen gestaltet, brettern durch eine Sägemühle und durchschneiden förmlich das Gebälk. Rasant sieht das von außen aus und ist es erst recht, wenn man einmal mitfährt.
Rasant lässt sich auch der A8 auf Wunsch bewegen. Wer möchte, beschleunigt den Wagen mit dem 340 PS starken Benziner in nur 5,6 Sekunden auf 100 km/h. Auf der Rückfahrt zum Audi-Forum nach Neckarsulm ist aber ein eher gemächliches Tempo angesagt, auf der gesamten Strecke ist fast überall Tempo 70 vorgeschrieben. Eine gute Gelegenheit, um die auf die Effizienz des Wagens zu achten.

Kilometer 169,1
Zurück in Neckarsulm, an der Geburtststätte des A8. Hier, wo sie die Limousine fertigen mit einer Karosserie, die weiterhin aus Aluminium, aber auch aus Magnesium, kohlefaserverstärktem Kunststoff und Stahl besteht. Noch einmal kurz den Bordcomputer zappen, der Verbrauch beim ersten Test beträgt 9,2 Liter (CO2-Ausstoß: 218 Gramm pro Kilometer).
Mehr Platz, ein elegant-dynamisches Design, ein innovatives Bedienkonzept, autonomes Fahren und Einparken sowie ein vorausschauendes Fahrwerk: Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, dass der neue Audi A8 seinen Weg machen wird. Denn bei den Absatzzahlen ist im Vergleich zum BMW 7er und dem Marktführer, der Mercedes S-Klasse, noch Luft nach oben. Die Mannschaft in Neckarsulm jedenfalls hat ihre Hausaufgaben gründlich erledigt.

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