Neben dem auffälligen konkaven Frontgrill sticht vor allem das Heck ins Auge. Fotos: Volvo

Markanter Nordmann

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VOLVO Der S90 ist nur mit vier Zylindern zu haben – Hoher Komfort, sportliches Ambiente, erfrischendes Design  

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke

Für Volvo ist der S90 noch wichtiger als der bereits erfolgreich auf dem Markt platzierte Geländewagen XC90. Und da der 4,96 Meter lange S90 auf der gleichen technischen Plattform basiert, stehen die Voraussetzungen nicht schlecht. Die Preise starten bei 45 200 Euro, der Testwagen kostete knapp 83 000 Euro. Was bekommt der Kunde für sein Geld?

Auffällige Heckpartie
Auf jeden Fall ein außergewöhnliches Design. Neben dem auffälligen konkaven Frontgrill und dem LED-Tagfahrlicht mit flachgelegtem „T“ sticht vor allem das Heck ins Auge: Solch einen kantigen Abschluss mit umlaufenden Leuchten hat kein Wettbewerber zu bieten. Wie gemacht für den US-amerikanischen Markt, auf dem Straßenkreuzer-Formen immer noch gut ankommen. Hinter der Heckklappe verbirgt sich ordentlich Platz – bis zu 500 Liter kann der Nutzer im S90 verstauen, selbstverständlich lässt sich die Klappe auch elektrisch öffnen und schließen. Tipp: Wer nur mit dem Heck des S90 hadert, sollte einen Blick auf den V90 werfen – denn der Kombi hat das elegantere Ende.

Gutes Raumangebot
Sehr ordentliche Platzverhältnisse bietet der Innenraum. Vier Personen reisen äußerst kommod, selbst wenn vorne große Menschen sitzen, bleibt hinten genügend Raum für die Knie. Das top verarbeitete und bestens schallgedämmte Interieur glänzt zudem mit einem stimmigen Materialmix aus Alu, Leder und Holz.
Knöpfe sucht man weitestgehend vergebens, die zentralen Komfort- und Infotainmentfunktionen werden über ein tabletähnliches, hochkant stehendes, berührungsempfindliches Display gesteuert. Das ist einerseits modern, andererseits macht es die Bedienung teilweise kompliziert, da an zu vielen Schaltern gespart wurde. Seltsam auch, dass zum Beispiel der USB-Eingang unter der Mittelarmlehne erst über den Bordcomputer angewählt werden muss, will man darüber Musik hören. Steckt man den Stick einfach rein, passiert nämlich nichts.
Mit netten Design-Gimmicks wie dem silbernen Rollrad für die unterschiedlichen Fahrprogramme, dem rahmenlosen Rückspiegel oder den grobmaschigen Gittern, die einen Blick auf die dahinter verbauten Lautsprecher ermöglichen, grenzt Volvo sein Modell optisch von den Mitbewerbern ab.

Sechs Motoren
Volvo hat die Elektrifizierung beim S90 von Beginn an mit eingeplant. Benzin- und Elektrofahrzeuge laufen bei dem Hersteller in einer Produktion vom Band. Der Plug-in-Hybrid T8 leistet darum wie im XC90 ebenfalls 407 PS, verbraucht laut Norm nur 2,0 Liter (CO2-Emission: 46 Gramm pro Kilometer, g/km) und kann bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren.
Darüber hinaus gibt es konventionelle Dieselmodelle – mit D3 (150 PS), D4 (190 PS) und D5 AWD (235 PS) – sowie Benziner als T5 (254 PS) und T6 AWD (320 PS). Dabei handelt es sich ausschließlich um Vierzylinder – mehr Töpfe sind beim Volvo S90 nicht zu bekommen.

Schwergewicht
Das Autostimme-Team war mit dem D5 AWD R-Design unterwegs, und das deutlich hörbare Triebwerk überzeugt dank 480 Newtonmeter Drehmoment mit fettem Schub und gut harmonierender Achtgang-Automatik. Der Normverbrauch des Top-Diesels liegt bei gerade einmal 4,8 Litern (CO2-Emission: 127 Gramm pro Kilometer). In natura sollte man aber mit sechs bis acht Litern rechnen, schließlich ist der Wagen mehr als 1900 Kilogramm schwer – und diese Masse muss erst in Schwung gebracht werden.
Sicherheit ist für Volvo wichtig – darum sind für den S90 nicht nur sämtliche Assistenzsysteme aus dem XC90 zu haben (und das sind einige), sondern darüber hinaus noch weitere elektronische Helfer. Zum Beispiel die Tier-Erkennung. Vor allem in Schweden und Nordamerika sei die Vermeidung von Zusammenstößen mit Elchen, Hirschen oder Wildschweinen ein wichtiges Thema, so Volvo. Ebenfalls aufgerüstet wurde der Pilot Assist, der nun bis Tempo 130 selbstständig Gas gibt, bremst und lenkt. Allerdings muss der Fahrer stets die Hände am Lenkrad haben.