Renault hat aus dem biederen Van ein modernes Crossover-Modell gemacht. Fotos: Renault

Mit neuem Charakter

Artikel von

RENAULT Franzosen haben den Scenic frisch aufgelegt – Früher Van, jetzt Crossover-Modell

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke

Mit dem aktuellen Espace hat Renault die Richtung bereits vorgegeben, nun ziehen die Franzosen ihr Ding konsequent weiter durch und modeln auch den neuen Scenic um. Motto: Aus biederem Van wird angesagtes Crossover-Fahrzeug. Standen früher die Aspekte Platz und Nutzwert im Vordergrund, kommen nun schnittiges Design und markanter Auftritt hinzu. So ist aus dem ehemals kastigen Scenic ein flach-fließender Fünftürer geworden.

20 Zöller
Vor rund 20 Jahren kam der erste Scenic auf den Markt. War er damals noch weitgehend allein auf weiter Flur, haben sich im Lauf der Zeit viele Mitbewerber dazu gesellt. Aktuell tritt er zum Beispiel gegen Ford C-Max, VW Golf Sportsvan, BMW 2er Tourer oder auch den Citroën C4 Picasso an. Um sich von denen klarer abheben zu können, hat Renault zu drastischen Mitteln gegriffen. Die Motorhaube wurde verkürzt, die Windschutzscheibe gestreckt und mit flacherem Winkel versehen. Dazu gibt es serienmäßige 20-Zoll-Räder, die dank ihrer hohen Flanke und geringen Breite (195 mm) den Komfort und den Verbrauch eines 17-Zöllers gewährleisten sollen, betont der Hersteller.
Der neue Scenic ist dabei vier Zentimeter länger und zwei Zentimeter breiter als sein Vorgänger, streckt sich nun auf 4,40 Meter und hat zudem vier Zentimeter mehr Bodenfreiheit. Ein Schwung in der Seitenlinie, breite Schultern und zum Teil auffällige Zweifarblackierungen runden das Ganze ab.
Im Innenraum fallen verschiedene Dinge auf. Erstens das hochkant stehende Display des Infotainmentsystems, über das nicht nur Assistenzsysteme, Head-Up-Display, Klimatisierung und Audioinhalte gesteuert, sondern auch fünf verschiedene Fahrprogramme ausgewählt werden können. Zweitens die in Längsrichtung verschiebbare Mittelkonsole, die im besten Fall gleich vier USB-Anschlüsse für die Fondinsassen mitbringt. Drittens das riesige Glasdach, denn es hat keine störende Mitteltraverse.
Zudem haben die Sitze ausgeprägte Seitenwangen – und der Schaltknauf liegt griffgünstig erhöht. Vorne ist das Platzangebot gut, hinten kann es aber schon eng werden, wenn die Sitze weit zurückgeschoben werden. Gut, dass Renault vom Marktstart weg auch einen 23 Zentimeter längeren Grand Scenic anbietet.
Ins Gepäckabteil des Scenic passen 506 Liter, damit dürften die meisten Alltagsanwendungen zu schaffen sein. Schön auch, dass die Klappe weit nach oben schwingt und sich das Volumen mit einem Handgriff auf bis zu 1554 Liter erweitern lässt. Zusätzlich gibt es jede Menge Stauraum im Boden, ein gekühltes Handschuhfach sowie Klapptische für den Fond. Und die Durchladelänge beträgt stattliche 2,61 Meter.

Genügsam
Bei den Triebwerken ist Schmalhans Küchenmeister, denn die Spanne der drei Diesel und zwei Benziner reicht nur von 110 bis 160 PS. Die Autostimme war unter anderem mit dem stärksten Benziner (132 PS) unterwegs, und schon im unbeladenen Zustand hatte der 1,2-Liter-Vierzylinder ziemliche Mühe mit den mehr als 1500 Kilo Leergewicht des Scenic. Bei Beschleunigung und Durchzug gibt sich der Fronttriebler verhalten, ist mit einem Bordcomputer-Verbrauch von 7,3 Litern (CO2-Emission: 173 g/km) aber relativ genügsam. Mehr Laune macht der 1,6-Liter-Diesel, der dank 160 PS und 380 Newtonmeter (Nm) Drehmoment deutlich satter im Saft steht und das Auto souveräner wirken lässt. Auch beim Durst bleibt der Diesel korrekt: Der Normwert von 4,5 Liter (118 g/km) ist nicht zu schaffen, fünf bis sechs Liter sind aber drin.
Ebenfalls verfügbar ist ein Selbstzünder mit Elektromotor-Unterstützung. Renault nennt dieses Konzept Hybrid Assist und verspricht bei 110 PS und 260 Nm nur 3,5 Liter Verbrauch (92 g/km, ab 26 190 Euro). Die Preise für die anderen Scenic-Varianten: Als Basis-Crossover werden 19 990 Euro fällig, am anderen Ende steht die Initiale Paris, die von 32 890 bis 39 090 Euro kostet.
Es gibt insgesamt fünf Ausstattungsvarianten – fünf Jahre Garantie bis 100 000 Kilometer sind immer serienmäßig.

Bildergalerie zum Artikel: