Die fünftürige Variante der A-Klasse streckt sich auf 4,42 Meter. Fotos: Mercedes

Nobel-Hobel

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MERCEDES Autobauer bringt an diesem Wochenende die neue A-Klasse an den Start

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke


Mensch, was bist du groß geworden. Auf satte 4,42 Meter Länge streckt sich die neue A-Klasse von Mercedes, der Vorgänger brachte es nur auf knapp 4,30 Meter. „Das Auto ist deutlich erwachsener“, sagt darum auch Firmen-Sprecher Markus Nast. „Und beim Design läuten wir ebenfalls eine neue Ära ein.“ An diesem Wochenende kommt das Kompaktmodell in den Handel, die Autostimme konnte sich den Wagen vorab genauer anschauen.

Design
Tiefer gezogene Frontpartie, verlängerter Radstand, horizontale zweigeteilte Heckleuchten, dazu eine aggressive LED-Lichtsignatur und größere Räder – die neue A-Klasse wirkt optisch gestreckter, weniger klobig. Zudem gibt es einen hervorragenden Luftwiderstandswert (0,25) und breite Backen. Keine Frage, mit dem Fünftürer kann man sich sehen lassen. Die gewachsenen Außenabmessungen kommen dem Platzangebot zugute, sowohl vorne als auch hinten stehen mehr Kopf-, Schulter- und Ellenbogenfreiheit zur Verfügung. Im Maximalfall bis zu 36 Millimeter zusätzlich, wie Entwicklungschef Jörg Bartels betont. „Auch der Kofferraum ist um 29 Liter auf ein Volumen von jetzt 370 Litern gewachsen.“ Das entspreche zwei zusätzlichen Getränkekisten. Darüber hinaus habe man durch einen veränderten Zuschnitt der Heckklappe nun mehr Raum zum Beladen des Gepäckabteils geschaffen.
Einen höchst noblen Eindruck haben die zur Verfügung gestellten (und bis unters Dach ausgestatteten) Wagen bei der Fahrpräsentation hinterlassen. Edler Klavierlack (der Fingerabdrücke magisch anzieht), elektrisch einstellbare und belüftbare Sitze, feines Leder, Lüftungsdüsen im Turbinendesign, Ambientebeleuchtung mit 64 (!) Farben, Kontrastnähte überall, sich metallisch anfühlende Schalter, aufgeschäumte Oberflächen, ein High-End-Soundsystem – Mercedes macht hier keine Kompromisse und bringt Oberklassen-Flair in die Golf-Klasse. Dazu passt, dass der Neuling hörbar ruhiger geworden ist. Veränderungen an A-Säule, Außenspiegeln, Fenster- und Heckklappendichtungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie eine schwingungsärmere, da steifere Karosserie. Ergebnis: „Der Wagen ist 30 Prozent leiser als der Vorgänger“, betont Akustik-Spezialist Dr. Teddy Woll.
MBUX – das steht für „Mercedes-Benz User Experience“. Unter diesem Banner bündelt der Hersteller ab sofort seine Infotainmentfunktionen. Die beiden unter einer Scheibe angebrachten Widescreen-Displays lassen sich via Berührung oder über Touch-Knöpfe am Lenkrad sowie einem Touchpad in der Mittelkonsole anwählen. „Ihre Oberflächen sind frei konfigurierbar“, sagt Projektleiter Werner Preuschoff. „Zudem lernt das intelligente System durch den täglichen Gebrauch dazu und passt die Themenwelten dementsprechend an.“
Luft nach oben gibt es hingegen bei der naturalen Sprachbedienung – bei unseren Testfahrten haben wir das System mit allen möglichen Stichworten konfrontiert, leider hat es viele davon nicht erkannt. Trotzdem ist sich Preuschoff sicher: „Studien zeigen, dass in ein paar Jahren alles über Sprachbedienung funktionieren wird.“
Keine Elektroversion, kein Plug-in-Hybrid, keine Gas-Variante – zum Marktstart bleibt die Motorenpalette konservativ. Es gibt auch einen Diesel – mit 116 PS nicht der stärkste, aber kultiviert, sparsam und serienmäßig mit Doppelkupplung. Für unaufgeregte Fahrer eine sehr gute Wahl (4,1 Liter, CO2-Emission: 108 g/km). Die Benziner starten mit einem 1,4-Liter-Vierzylinder, der dank 163 PS und 250 Newtonmeter Drehmoment zwar ausreichend kräftig ist, beim Ausdrehen aber laut wird und dann sehr angestrengt wirkt. Angeboten wird der A 200 mit Handschaltung oder Doppelkupplung (5,2 bis 6,3 Liter, 120 bis 144 g/km). Da ist der Top-Benziner im A 250 die bessere Wahl: Dessen 224 PS schieben üppig an und bleiben auch unter Last souveräner. 6,2 Liter gönnt sich der Zwei-Liter-Vierzylinder im besten Fall (141 g/km).

Preis
Was kostet der Spaß? Nun, die Preise beginnen bei 30 231 Euro – viel Holz für einen Kompakten, der mit reichhaltiger Ausstattung auch locker mehr als 50 000 Euro kosten kann. Doch in diesem speziellen Punkt waren Mercedes-Kunden ja schon immer ziemlich leidensfähig.