Fotos: Volkswagen

Vorstoß in die Oberklasse

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VOLKSWAGEN ARTEON Viertüriges Coupé startet an diesem Wochenende    

Von unserem Redakteur
Alexander Schnell

Seither waren die Rollen im VW-Konzern klar verteilt. Während die Kernmarke Volkswagen die breite Masse im Blick hat, kümmert sich die Nobeltochter Audi um die Oberklasse. Nun aber will sich auch VW mit dem neuen Arteon (ab 39 675 Euro) ein Stück des Verkaufskuchens abschneiden. Pünktlich zur Markteinführung an diesem Wochenende ist die Autostimme zu ersten Testfahrten mit dem viertürigen Coupé gestartet.


Konzeption

 „Der Arteon ist weder der Nachfolger des Passat CC noch ein neuer Phaeton“, sagt Elmar-Marius Licharz, der bei VW für die großen Modelle verantwortlich ist. „Wir haben ein komplett neues Auto entwickelt, das zwischen den beiden alten Modellen platziert ist.“ Das war seither das entscheidende Problem, dass der CC einfach zu dicht am Passat war. Damit ist nun Schluss, denn der Arteon hat nicht nur einen neuen Namen. Er ist größer, geräumiger und schnittiger.
Ein Coupé hat zwei Türen. Das war einmal. Der Arteon ist ein echter Gran Turismo mit vier Türen und einer atemberaubenden Linienführung. Das soll ein VW sein? Selten stand ein Modell der Wolfsburger so satt auf der Straße. Erst recht wenn große 20-Zöller montiert sind. An der Front verschmelzen LEDs und der schier endlos breite Kühlergrill miteinander, seitlich die Coupéform mit scharfen Linien und rahmenlosen Türen, eine muskulöse Schulterpartie und ein knackiges Heck. Da sieht der Passat daneben auf einmal doch ziemlich blass aus.


Raumangebot

Das lässt sich VW gut bezahlen, denn die Preise liegen rund 5000 Euro über dem Passat. Dafür erhält der Käufer aber nicht nur das optisch aufregendere Auto. Der Arteon ist auch ganze neun Zentimeter länger und streckt sich auf 4,86 Meter. Auch der Radstand legt um fünf Zentimeter zu. Dementsprechend viel Bewegungsfreiheit genießen die Passagiere auf allen Plätzen. Auf der Rückbank hat man den Eindruck, man würde in einem noch viel größeren Auto sitzen. Elektrisch klappt die Heckklappe sehr weit nach oben auf und gibt den Blick auf einen schier endlos großen Gepäckraum frei: Hier passen schon bei aufrechter Rückbank 563 Liter rein, bis zu 1557 Liter sind möglich.
Und wie er sich fährt? Sehr souverän. Die breite Spur und der verlängerte Radstand lassen den Arteon satter auf der Straße liegen als den Passat. Auf der Landstraße ist das viertürige Coupé flink und handlich durch Kurven unterwegs, auf der Autobahn spult man Hunderte von Kilometern komfortabel und leise runter. An der Dämmung haben die Ingenieure deutlich Hand angelegt. Wer einsteigt und die Türe schließt, lässt die Welt draußen. Was das Cockpit angeht, sind die Unterschiede zum Passat gering. Alles ist makellos verarbeitet, das 9,2 Zoll große Display mit Gestensteuerung funktioniert prima.


Motoren

Zur Markteinführung kommt der Arteon mit drei Motoren, allesamt Vierzylinder: ein 2,0 TDI mit 110 kW/150 PS (ab 39 685 Euro) oder 176 kW/240 PS (51 600 Euro) und der 2,0 TSI mit 206 kW/280 PS (ab 49 325 Euro). Weitere Aggregate sollen folgen. Bei ihren Testfahrten war die Autostimme mit dem erstmal einzig verfügbaren Benziner unterwegs. 280 PS, 350 Newtonmeter Drehmoment und dazu Allradantrieb zeigen deutlich, wie ernst es VW mit der Höherplatzierung des Wagens meint. Zwar fehlt dem Motor der letzte Punch eines Sechszylinders, aber er geht richtig gut. Das merkt man dann aber auch an der Tankstelle: Am Testende notierten wir bei gemischter Fahrweise einen Verbrauch von 9,8 Litern, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 232 Gramm pro gefahrenem Kilometer (g/km).