Seltener Gast auf deutschen Straßen – und zugleich ein absoluter Hingucker, der die Blicke von Passanten und anderen Autofahrern auf sich zieht: der Infiniti Q60. Fotos: Infinit

„Was ist denn das für ein Auto?“

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NFINITI Mit dem Q60 hat der japanische Premiumhersteller ein begeisterndes Coupé entwickelt

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke

Als Autotester hat man es mit vielen unterschiedlichen Modellen zu tun – vom Lada bis zum Lamborghini reicht die Spanne. Schließlich soll für jeden Leser etwas Passendes dabei sein. Manche Marken sind gut bekannt, andere hingegen weniger. Bislang weitgehend unter dem Radar der (deutschen) Öffentlichkeit fliegt Infiniti. Der edle Nissan-Ableger ist den meisten Menschen hierzulande nicht vertraut – was sich auch bei den Testfahrten des Autostimme-Teams zeigte. Mehrfach wurden wir auf Parkplätzen von wildfremden Menschen angesprochen. Und die erste Frage war immer dieselbe: „Was ist denn das für ein Auto?“ Den Namen Infiniti habe man noch nie gehört. Und das Logo nicht gesehen. Nach kurzem Rundgang um den Q60 folgte ausnahmslos von allen Interessierten das einhellige Fazit: „Sieht klasse aus.“ Um gleich noch eine Frage hinterher zu schieben: „Kann der auch was?“
Ja, er kann.

Souveräner Motor
Als Q60s 3.0t beherbergt der 4,69 Meter lange Zweitürer unter der markant konturierten Haube einen nagelneuen Motor – einen Turbo-V6-Benziner mit drei Litern Hubraum, 475 Newtonmeter Drehmoment und 405 PS. Damit ist der mehr als 1,8 Tonnen schwere Asiate absolut souverän motorisiert: In 5,0 Sekunden geht es von null auf 100, maximal sind 250 km/h möglich. Doch viel wichtiger als die Werte auf dem Papier ist das subjektive Empfinden. Willig hängt das Aggregat am Gas, schiebt auch bei höheren Geschwindigkeiten druckvoll an und passt zu dem eleganten Wagen wie die viel beschworene Faust aufs Auge.
Verwaltet wird die Kraft von einer serienmäßigen Siebengang-Automatik, die je nach eingelegtem Fahrmodus sanfter oder ruppiger zu Werke geht. Dank Allradantrieb muss man sich um Traktionsprobleme keinen Kopf machen. Ins Grübeln bringt einen höchstens der Verbrauch, denn ein Kostverächter ist der V6 nicht. Laut Norm begnügt er sich mit 9,4 Litern (CO2-Emission: 210 g/km). Bei den Autostimme-Fahrten mit erhöhtem Stadtanteil zeigte der Bordcomputer aber immer zweistellige Werte an.

Hochwertig eingerichtet
Was Lexus bei Toyota, ist Infiniti bei Nissan: Die Abteilung für die feinen Schlitten der Volumenmarken. Und wer im (vorne geräumigen, hinten engen) Q60 Platz nimmt, spürt sofort den Premium-Touch. Schwere Türen, hochwertige Blenden, feines Leder an den bequemen (aber einen Tick zu hoch montierten) Integral-Sportsitzen – Material- und Verarbeitungsqualität sind dem Preisniveau (mit 211 PS ab 44 500 Euro, mit 405 PS ab 56 990 Euro) angemessen. Der Fahrer blickt auf zwei klassische, analoge Rundinstrumente, in deren Mitte sich ein Infodisplay befindet. Mit gleich zwei großen, übereinander angeordneten Bildschirmen weiß der Armaturenträger zu gefallen. So lassen sich auf dem oberen Monitor zum Beispiel Kartendaten und auf dem unteren Musikauswahl und Klimatisierung anzeigen.
Konnektivitätslösungen bündelt der Hersteller unter dem Begriff Infiniti In Touch: Nach der Kopplung des Smartphones mit dem Infotainmentsystem lassen sich diverse Apps nutzen, mit denen man beispielsweise das Fahrzeug aus der Ferne orten kann. Für Musikfreunde aber entscheidender ist, dass das Bose-System mit 13 Lautsprechern einen ausgezeichneten Job macht und vor keiner Musikrichtung kapitulieren muss, wie das teilweise bei anderen Herstellern der Fall ist. Der Q60 rockt! Und wer die Anlage runterdreht, hört angenehm wenig. Denn dank Akustikglas, guter Dämmung und aktiver Geräuschunterdrückung ist der Lautstärkepegel im Q60 kraftvoll-gediegen.

Elektronische Helfer
Der schicke Japaner hilft einem in vielen Alltagssituationen. Ausparkmanöver lassen sich aus der Vogelperspektive überwachen. Beim knappen Spurwechsel schlägt der Totwinkelwarner Alarm. Ein Fernlicht-Assistent regelt automatisch die Funktionsweise der LED-Scheinwerfer und der adaptive Tempomat den Abstand zum Vordermann bei Autobahnetappen. Klasse ist der Querverkehrswarner, der seitlich herannahende Fahrzeuge im Auge hat und im Ernstfall abbremst. Bei den Testfahrten hat mich das System vor einem Zusammenstoß bewahrt – trotz mehrfachem Schulterblick hatte ich den von rechts kommenden VW Passat beim rückwärtigen Ausparken nicht gesehen.
Angeboten wird das Coupé mit serienmäßigen 19-Zöllern sowie mit zehn unterschiedlichen Außenfarben, drei Ledertönen und vier Dekorvarianten. Und der auffällige Chrom-Knick an der C-Säule ist immer dabei. Künftige Besitzer dürfen sich auf Fragen interessierter Autofans also definitiv gefasst machen.