Noch ist die A-Klasse-Limousine von Mercedes nur eine Studie. Fotos: dpa

In China steht fast alles unter Strom

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RUNDGANG Bei der Messe in Schanghai gewährt der VW-Konzern einen konkreten Blick in die Zukunft – Mercedes baut Palette der Kompaktwagen aus

Von unserem Redakteur
Alexander Schnell

In China ist einfach alles ein bisschen größer. Vier Spuren hat die Autobahn, die vom Flughafen Schanghai in die Innenstadt führt. Wie an einer Perlenkette reiht sich Auto an Auto. Und die Zahl der Fahrzeuge wird noch zunehmen: China ist bereits heute der größte Automarkt der Welt. Und seit vielen Jahren und Jahrzehnten eine zuverlässige Geldquelle für die deutschen Hersteller. „China ist für unseren Konzern wie eine zweite Heimat“, sagt VW-Chef Matthias Müller. Trotz rückläufiger Verkäufe in den ersten drei Monaten rechnet Volkswagen auf seinem wichtigsten Absatzmarkt mit einem guten Jahr. Auf längere Sicht will Konzernchef Müller sich nicht auf dem großen Gewicht des Landes im Konzern ausruhen. „Wir werden alles dafür tun, diese Position nicht nur zu verteidigen, sondern auch auszubauen“, sagte er am Rande der Automesse in Schanghai (noch bis 28. April). „Wir wollen chinesischer werden.“
China ist aber nicht nur der größte Automarkt, das Reich der Mitte gilt als Schlüsselmarkt für die Elektromobilität. Zwar sind die Serienmodelle noch einige Jahre entfernt. Aber zumindest mit Studien läuten die Hersteller das neue Zeitalter ein. Allen voran zeigt Audi die atemberaubende Studie E-Tron Sportback, der Wagen kommt 2019 auf den Markt (siehe Autostimme vom 19. April). „Die Elektromobilität ist ein revolutionärer Schritt wie einst der Käfer oder Golf“, sagt VW-Chef Matthias Müller. Als dritte Studie der neuen, voll elektrisierten I.D.-Familie zeigt seine Marke in Schanghai das SUV-Coupé I.D. Crozz.
 
600 Kilometer
Die künftigen Fahrzeuge werden auf dem neuen Modularen Elektrobaukasten (MEB) aufgebaut, den auch die Konzernmarken Audi, Seat und Skoda nutzen werden. Bei VW fest eingeplant sind in den kommenden Jahren zunächst ein E-Auto in der Größe des Golf, zwei SUVs und eine Limousine. „Wir wollen die Elektromobilität bezahlbar machen und alltagstaugliche Reichweiten ermöglichen“, so Müller. Will heißen: Als Einstieg peilt VW für seinen elektrischen Kompakten rund 25 000 Euro an, bis zu 600 Kilometer weit soll der Kunde im Idealfall kommen.

Futuristisch
Unter Strom soll künftig auch die VW-Tochter Skoda stehen. Die Tschechen haben bei der Messe die Studie Vision E enthüllt. Wenig überraschend ist der Antrieb, der aus dem Konzernregal stammt: Zwei E-Motoren bringen 225 kW Leistung und mehr als 500 Kilometer Reichweite. Womit das SUV-Coupé wirklich glänzt, ist seine faszinierende, futuristische Optik. Kleiner und schnittiger als der SUV Kodiaq, große Räder, glatte Front. Bis 2025 hat Skoda-Chef Bernhard Maier fünf reine E-Autos angekündigt.
Bei Mercedes sind sogar zehn Stromer in den nächsten Jahren geplant. Doch in Schanghai konzentrieren sich die Schwaben zunächst einmal darauf, ihren Spitzenplatz in der Oberklasse zu festigen. Dafür erhält die S-Klasse ein umfangreiches Facelift – weniger optisch bis auf wenige Retuschen an den Scheinwerfern, als viel mehr technisch. Das Einparken kann der Fahrer künftig per Handy steuern. Die bestehenden Assistenzsysteme arbeiten nun präziser oder erhalten einen erweiterten Umfang. So überholt die S-Klasse auf Wunsch auch automatisch – ohne Zutun des Fahrers. Neu bei den Motoren ist unter anderem ein vier Liter großer Achtzylinder-Benziner mit 469 PS, der Sechszylinderdiesel legt auf 286 beziehungsweise 340 PS zu.
 
A-Klasse Limousine
Aber auch am anderen Ende der Modellpalette plant Mercedes für die Zukunft. Denn künftig soll es im Kompaktwagensegment rund um A- und B-Klasse acht statt bisher fünf verschiedene Fahrzeuge geben. Neu ist unter anderem eine Limousine auf Basis der nächsten A-Klasse, darauf macht der Hersteller in Schanghai bereits Lust mit einer recht seriennahen Studie. Der 4,57 Meter lange Concept A Sedan ist schnittig gezeichnet und soll es mit Modellen wie der A3 Limousine von Audi aufnehmen.
BMW lässt in Schanghai die Muskeln spielen: Die Bayern stellen den M4 CS vor, der im Sommer für üppige 116 900 Euro an den Start geht. Dafür holen die Ingenieure aus dem bewährten Sechszylindermotor 460 PS (plus zehn PS) und maximal 600 Newtonmeter Drehmoment (plus 50 Nm). Das reicht für rasante 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und maximal 280 km/h bei freier linker Spur. Speziell für China hat BMW zudem eine Langversion der 5er Limousine im Gepäck. In die Länge gezogene Fahrzeuge sind im Reich der Mitte besonders gefragt. Nicht etwa, weil die Menschen einen erhöhten Platzbedarf hätten. Nein. Wer es in China zu etwas gebracht hat, leistet sich einen Chauffeur und macht es sich im opulenten Fond bequem.

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