Resteverwertung: In einem separaten Areal beherbergt Magnus Walker seine zur Ausschlachtung gedachten Modelle. Fotos: Alexander Rülke

„Porsche ist mein Hobby“

Artikel von

ChARAKTER Designer, Freigeist, Sammler: Magnus Walker ist ein Star in der Szene

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke


Magnus Walker sieht so aus wie jene Menschen, vor denen einen die Eltern immer gewarnt haben: heftig tatöwierte Arme, schulterlange Dreadlocks, grauer ZZ-Top-Bart, Lederjacke, verratzte Vintage-Jeans. Dennoch ist der heute 50-Jährige in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Star der Automobil- und Porsche-Szene geworden. Wie kam es dazu? Das wollte die Autostimme wissen und hat den Wahl-Amerikaner in seiner Urban-Outlaw-Garage in Los Angeles besucht.
 
Mutige Entscheidungen
Nein, es ist kein Pseudonym: Magnus Walker heißt wirklich so. Geboren wurde er in der britischen Arbeiterstadt Sheffield, doch schon früh entflieht er Perspektivlosigkeit und Alltags-Tristesse. „Mit 19 habe ich England verlassen“, sagt er. „Es hat sich einfach richtig angefühlt, das zu tun. Wäre ich in Sheffield geblieben, wäre das alles nie passiert.“ Er folgt also dem Ruf seines Herzens und schlägt sich zu Beginn mit dem Verkauf von selbst designter Secondhand-Mode durch. Und siehe da, sein „Rock’n’Roll Stuff“, wie er es nennt, kommt an. Der Kundenkreis wächst, und damit auch die Kontakte. Walker lernt Größen des Rock-Business kennen, geht mit Alice Cooper auf Tour, zündet den Business-Turbo.
Im Jahr 2000 dann kauft er Lagerhallen im Arts District von Los Angeles – und setzt damit wieder aufs richtige Pferd. Denn einerseits wird sich das Viertel in den kommenden Jahren prächtig entwickeln – von der runtergekommenen Industriebrache zum hippen Szene-Treff (inklusive Leihfahrrad-Ständer an der Straße). Andererseits bucht sich immer öfter die Filmbranche in Walkers Hallen ein, um dort Szenen für TV-Serien, Spielfilme, Musik- und Werbeclips zu drehen. „Anfangs haben mich die Leute gefragt, ob ich verrückt sei, hier Immobilien zu kaufen“, erinnert sich der mutige Investor. „Aber hey, schau es dir heute an: It’s a cool place to be.“

Autos mit Charakter
Und dann ist da ja noch seine Leidenschaft fürs Automobil. Genauer gesagt: zu Porsche. Alles beginnt 1977. Auf einer Motorshow in London sieht er einen 911er mit roten und blauen Streifen – und dieses Bild wird sich für immer bei ihm einprägen, denn so ein Auto hatte er noch nie zuvor gesehen. „In Sheffield“, sagt Walker, „da gab es keine Sportwagen.“ Im Alter von 25 Jahren ist es soweit: Der Exzentriker kauft sich seinen ersten eigenen Porsche 911. „Doch nicht als Investment, sondern aus Liebe zur Marke“, wie er im Gespräch immer wieder betont. Mittlerweile ist seine Sammlung auf rund 25 Modelle angewachsen. So ganz genau lässt sich die Zahl nicht ermitteln, denn neben zahlreichen 911ern (der älteste wird gerade restauriert und ist aus dem Jahr 1964, der jüngste ein 14 Jahre alter silberfarbener GT3), zählen auch 924, 944 und 928 zur Sammlung – mal in gutem, mal in schrottreifem Zustand.
Die hoffnungslosen Modelle werden von ihm und seinen Mitarbeitern ausgeschlachtet – die Teile kommen dann an anderen Fahrzeugen zum Einsatz. Zudem setzt Walker gern eigene Ideen mit seinen Schätzchen um – und schafft auf diesem Weg Einzelstücke. Für Puristen ein Graus, für Walker Lebensfreude. Dazu passt auch sein Credo, dass Autos gefahren werden müssen. Dass sie dabei Macken und Kratzer bekommen, für ihn kein Problem. „Das verleiht den Autos Charakter.“ Ein Geschäft wollte und will er aus seiner Sammelleidenschaft übrigens niemals machen. „Porsche ist mein Hobby.“ Allerdings eines, das etwas „außer Kontrolle“ geraten sei, wie er lachend ergänzt.

Niemals aufgeben
Design, Dynamik, Erfolge im Motorsport – diese Kombination reizt Magnus Walker an Porsche. Wüste, Berge, Meer – das schätzt er an seiner Heimat Kalifornien. „Hier kannst du alles an nur einem Tag erleben“, sagt der Freigeist. Und es sei ein Ort, an dem vieles möglich ist. „Gib niemals auf, nach was du strebst“, sagt Walker. „Viele Menschen lassen ihre Träume fallen, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu tun. Bei mir ist es das genaue Gegenteil.“ Allerdings sei auch bei ihm der Erfolg nicht über Nacht gekommen. „Das war ein langer Prozess, der viel Leidenschaft erfordert hat.“ Doch Leidenschaft, die könne man nicht produzieren – die trage man in sich. Oder eben nicht. Und wer mit Magnus Walker spricht, der hat keinen Zweifel: In diesem ungewöhnlichen Mann lodert das Feuer. Immer noch. Auch mit 50.