VW-Markenchef Herbert Diess will mit dem neuen Jetta in den USA vor allem eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Fotos: Alexander Rülke

Viel Auto für wenig Geld

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Autobauer zeigt den neuen Jetta – Modell kommt nicht nach Europa  

Von unserem Redakteur
Alexander Rülke

VOLKSWAGEN Die gute Nachricht: Volkswagen baut mal wieder ein geräumiges Auto für die ganze Familie – mit schicker Linienführung, überzeugendem Qualitätseindruck, großem Kofferraum (510 Liter Volumen) und günstigem Einstiegspreis (18 545 US-Dollar, umgerechnet rund 15 000 Euro). Die schlechte Nachricht: Es wird den neuen Jetta in Deutschland und ganz Europa nicht zu kaufen geben, da laut VW Stufenhecklimousinen in der alten Welt immer weniger gefragt seien. Stattdessen soll der 4,70 Meter lange Fünftürer in China (unter dem Namen Sagitar) sowie den USA auf Kundenfang gehen. Und vor allem in den Staaten, so Markenvorstand Herbert Diess am Rande der Autoshow in Detroit (noch bis 28. Januar), speziell eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Denn der Wagen übernimmt die Funktion des Einstiegs in die Marke VW. Und das mit großem Erfolg – mehr als 3,2 Millionen Jetta wurden bislang in den USA verkauft, weltweit sind es gar 17,5 Millionen.

Sechs Jahre Garantie

US-Kunden bekommen von Volkswagen etwas, wovon deutsche Käufer nur träumen können: eine serienmäßige sechsjährige Garantie bis 72 000 Meilen (rund 116 000 Kilometer). Die gilt natürlich auch beim neuen Jetta. Die Wolfsburger statten ihren Neuling auf Wunsch zudem mit allem aus, was modern und verlockend ist: Bis zu acht Assistenzsysteme von der Notbremsfunktion bis zur automatischen Distanzregelung sind an Bord. Darüber hinaus gibt es eine 400-Watt-Soundanlage von der US-Firma Beats by Dr. Dre, ein Ambientelicht für den Innenraum mit zehn möglichen Farben, ein digitales Cockpit mit Smartphone-Anbindung sowie LED-Scheinwerfer – letztere serienmäßig. Und natürlich lassen sich die Sitze auch beheizen und elektrisch verstellen. US-Kunden schätzen Komfort.

Vier Zylinder, acht Gänge

Unter der Haube ist bislang nur ein Motor vorgesehen: Der Benziner mit vier Zylindern verfügt über 1,4 Liter Hubraum, 150 PS Leistung sowie ein maximales Drehmoment von 250 Newtonmetern. Ganz wichtig für den amerikanischen Markt ist, dass neben dem manuellen Sechsgang-Getriebe auch eine Automatik zur Verfügung steht. Im Fall des Jetta ist dies ein nach Angaben von Volkswagen komplett neu entwickeltes Getriebe mit acht Gängen, das sowohl Anfahrperformance als auch Verbrauch positiv beeinflussen soll.
Unter dem Namen Sagitar läuft der unterhalb des Passat angesiedelte VW in China vom Band, die Modelle für den nordamerikanischen Markt wiederum werden in Mexiko gefertigt. In den USA sei der Jetta der Startschuss für eine Modelloffensive von VW, betont Herbert Diess. 2017 habe man den Tiguan mit langem Radstand sowie den (ebenfalls in Europa nicht erhältlichen) großen Geländewagen Atlas eingeführt, 2018 soll nach dem Jetta nun noch der Arteon auf dem US-Markt platziert werden – und der sei schließlich „das Flaggschiff der Marke Volkswagen“, so Diess. Aktuelle Zahlen untermauern den Optimismus des VW-Vorstands: Denn trotz des Dieselskandals konnte der Konzern 2017 seine Verkäufe in den USA um 5,2 Prozent auf knapp 340 000 Einheiten steigern. „Wir haben in den Staaten eine sehr loyale Kundschaft“, betont Diess.